Einiges geschafft und noch viel zu tun

Zeitungsartikel aus der NWZ Göppingen vom 18.06.2021

Bei der ersten Bildungskonferenz im Landkreis, die live übertragen wurde, ging es um die Digitalisierung. Fachleute beantworteten die Fragen der teilnehmenden Zuschauer.

Foto über die 1. Bildungskonferenz BiG, Quelle: Staufenpress

Bildung sei der Schlüssel zum Leben und Bildung und Digitalisierung seien eine zwingende Notwendigkeit für die Zukunft des Arbeitslebens. Mit diesem Statement leitete Landrat Edgar Wolff die erste Bildungskonferenz des Landkreises Göppingen zum Thema "Bildung und Digitalisierung" ein, bevor er über 200 Teilnehmende, die von zuhause aus über ein Interaktions-Tool live Fragen stellen konnten, begrüßte. Expertinnen und Experten der relevanten Akteure im Bildungsbereich von der frühkindlichen Bildung, der Schulen, des Ausbildungsbereichs und der Erwachsenenbildung beantworteten in der Hybrid-Veranstaltung Fragen. Moderator war NWZ-Redaktionsleiter Helge Thiele.

Mit einem kleinen Einspieler von Radio Fips mit Kindern des Barbarossa-Kindergartens, die zwei Bildungsbegriffe via "Dingsda" beschrieben, hatte die Bildungskonferenz begonnen. Landrat Wolff wies auf Schäden in den Bildungsbiographien in Pandemie-Zeiten und auf die größere Nachfrage nach Digitalisierung hin. Einerseits sei ein Schub zu verzeichnen gewesen, andererseits habe sich auch gezeigt, was noch alles zu tun sei. Im Frühjahr 2021 hatte das Bildungsbüro eine Umfrage zum Stand der Digitalisierung gemacht, an der sich 184 Bildungseinrichtungen im Kreis Göppingen von der frühkindlichen Bildung bis zur Erwachsenenbildung beteiligt hatten. Es sei keine wissenschaftliche Umfrage gewesen, bilde aber durch die Tendenzen eine Grundlage für die weitere Arbeit, sagte Daniel Barth vom Bildungsbüro. Er stellte gemeinsam mit Mathias Nagl vom Kreismedienzentrum die Ergebnisse der Umfrage vor und interpretierte sie. Fazit: Es gibt Einrichtungen, die schon sehr weit sind in der Digitalisierung, und Einrichtungen, die noch ganz am Anfang stehen. So gebe es ganz verschiedene Geräte an den Schulen und nicht jeder Schüler habe ein Endgerät vor sich, wie es nach dem Digitalpakt vorgesehen sei. Bei Schulen und Kindergärten sei die technische Ausstattung im Moment die größte Herausforderung, während es in den Ausbildungsbetrieben schon gut aussehe.

In den Experten-Beiträgen wurde deutlich, woran es hakt. So sagte Dr. Andreas Pfletschinger für die Allgemeinbildenden Gymnasien, dass es an der personellen Ausstattung, an professionellen Netzwerkern und an Fortbildungsangeboten fehle. Dafür brauche es Ressourcen oder man müsse externe Dienstleister hinzuziehen. Er würde sich glücklich schätzen, wenn er wenigstens einen Teil an Mitteln und Ausstattung hätte, was die Kaufmännische Schule Göppingen habe. Deren Schulleiter, Dr. Werner Faustmann, hatte zuvor von einer guten Ausstattung sowohl in den Systemen als auch bei der personellen Ausstattung berichtet, da in den Betrieben die Digitalisierung gebraucht und benutzt werde. In der Fragerunde mit den Teilnehmenden ging es darum, inwieweit die Schulen unterstützt werden können und inwieweit die Digitalisierung in den Grundschulen und in den frühkindlichen Einrichtungen sinnvoll und inwieweit sie zu viel sei. Cordula Schonard, zuständig für die Kitas im Landkreis, wünschte sich ein differenziertes Konzept fürs Personal, für die Eltern und für die Kinder dort, wo digitale Medien spielerisch und ergänzend als eines unter vielen eingesetzt werden könnten. Denn in den Kitas gehe es vor allem darum, kreativ zu arbeiten. Fragen, ob der Datenschutz die Digitalisierung behindere, ob Ehrenamtliche eine Möglichkeit zur digitalen Weiterbildung hätten, standen ebenfalls unter der Moderation von Helge Thiele zur Debatte. Thomas Schnell, Rektor der Heinrich-Schickhardt-Gemeinschaftsschule Bad Boll, sagte, dass nach seiner Einschätzung Unterschiede in der digitalen Entwicklung bleiben würden, da sich die Technik alle paar Jahre rasant verändere. Man brauche an den Schulen externe Dienstleister, sonst gehe nichts voran. Das Kerngeschäft der Schulen sei das Zusammenführen ganz unterschiedlicher Methoden.

Ein „Mitmach-Event“ für Bürgerinnen und Bürger

Die Bildungsregion Landkreis Göppingen ist eine von 28 Regionen der insgesamt 44 Kreise im Land. Durch Vernetzung aller Bildungsakteure sollen bestmögliche Teilnahme-Chancen geschaffen werden. Sie
wird durch ein Förderprogramm gestützt.

Die Bildungskonferenz des Landkreises soll informieren und einen breiten und öffentlichkeitswirksamen Dialog zu aktuellen und innovativen Themen ermöglichen. Sie ist als „Mitmach-Event“ für die Bürgerinnen und Bürger konzipiert und wird vom Bildungsbüro als Exponent der Bildungsregion unter Leitung von Daniel Barth organisiert, das zusammen mit einer Steuerungsgruppe und einem Kuratorium mit 40 Beratern die Arbeit plant und vorbereitet.

Die 1. Bildungskonferenz fand am Mittwoch als Hybrid-Veranstaltung im Göppinger Landratsamt zum Thema „Bildung und Digitalisierung“ statt und wurde von der Filstalwelle live übertragen.